Der Flic Flac-Circus präsentiert in Duisburg: Die Jubiläumsshow „Höchststrafe“

Ostermontag 18.30 Uhr vor dem ‒ schon von weitem gut sichtbaren ‒ großen schwarz-gelben Flic Flac-Zirkuszelt unmittelbar am Duisburger Hauptbahnhof.   Wir reihen uns in die Schlange gut gelaunter und erwartungsfreudiger Zuschauer − die auch an der heutigen Abendvorstellung teilnehmen wollen − ein. Im abgedunkelten Vorzelt kann man sich noch einmal kulinarisch stärken, oder rasch noch mal durch eines der lustigen Dixi-Klos huschen. Dann geht’s hurtig die Treppe hinauf ins Hauptzelt, wo in wenigen Minuten die »Höchststrafe« zu erwarten ist.

Warum lautet das Motto der Flic Flac-Jubiläumsshow eigentlich »Höchststrafe«? Zirkusdirektor Benno Kastein beantwortete in einem Interview die Frage, wie er auf diesen spektakulären Begriff gekommen ist, folgendermaßen: „Ich habe mir überlegt, ist es eine Höchststrafe für das Publikum, uns 25 Jahre zu kennen, oder umgekehrt …?“ Natürlich habe es ihm und allen viel Spaß gemacht in all den Jahren, soll er lachend hinzu gefügt haben.

Und Spaß hatten und werden mit Sicherheit auch künftig viele Zuschauer an dieser einzigartigen Show haben, die am 5. Oktober 2014 mit der Premiere in Oberhausen startete. »Höchststrafe« gastiert über einen Zeitraum von zwei Jahren in 40 Städten und wird somit an wechselnden Orten jede Menge alte und neue Flic Flac-Fans begeistern. Eines jedoch gleich vorweg: Dieses rasante Feuerwerk der Superlative ist nichts für schwache Nerven und zartbesaitete Gemüter.

Pünktlich um 19 Uhr ertönt die Anstaltssirene und die zunftgemäß gekleideten Häftlinge werden von ihren Wärtern im Gänsemarsch hinunter in die Zirkusarena geführt. Beim Hofgang durch die Manege können sich die Zuschauer ein erstes Bild von den Gefängnisinsassen machen. Dann geht der riesige schwarze Bühnenvorhang zur Seite und gibt den Blick auf einen mehretagigen Zellentrakt und die hinter Gittern einsitzende Flic Flac-Liveband frei. »Höchststrafe« lautet auch der erste Song von Rockröhre Caro Kunde, der in musikalischen Insiderkreisen nicht unbekannten blonden Sängerin.

Im Takt dazu werden die Gefangenen immer aktiver. Als erste sind die grandiosen Expendables aus der Ukraine dran. Kraft- und schwungvoll geben sie in der Manege akrobatische Übungen zum Besten, wozu auch »Seilchenspringen« auf ganz besondere Art gehört. Mit spektakulären sportlichen Highlights geht es Schlag auf Schlag weiter: Die nächste Gruppe führt auf dem sogenannten Air Track ‒ einem überdimensionalen Luftkissen ‒ in atemberaubendem Tempo eine gehörige Portion gewagte Sprünge, Saltos, Überschläge und Schrauben vor. Die aus kernig-drahtigen Akrobaten bestehende Turnerriege um Pawel Apostol Horbacz aus Polen zeigt was sie drauf hat und fasziniert durch imposante Höchstleistungen der Spitzenklasse. Eine in Windeseile hin und her getragene und immer rechtzeitig platzierte Matratze sorgt dafür, dass es keine Brüche und Beulen gibt.

Es folgt Nicolai Kuntz mit einer super Trapeznummer. In luftiger Höhe unter der Zirkuskuppel vollführt der junge talentierte Artist solo am Schwungtrapez gewagte Pirouetten und schwungvolle Saltos vom Feinsten.

Danach wird es ‒ dank Steve Eleky in seinem ultrasexy karierten Schottendress ‒ komisch. Der ursprünglich aus Ungarn stammende Highländer hat sogar einen Hai dabei. Er kann nicht nur (wie er immer wieder selbst auf unnachahmliche Art und Weise betont) »Spaß«, sondern auch überraschend geschickt jonglieren und sogar ‒ wie er später noch zeigen wird ‒ zaubern. Unter lustigem »Schubidu, Schubidu« geht die Post ab. Lachen Sie ‒ bevor er wie jeder Künstler vom Wachpersonal abgeführt wird ‒ mit ihm und über ihn und staunen Sie über seine echt schottischen Comedy-Jonglagen.

Welche Frau möchte nicht einmal wie jetzt Tatjana Kastein von vier starken Männern gleichzeitig auf Händen getragen werden? Die grazile Tochter von Flic Flac-Direktor Benno Kastein und seiner Frau Scarlett brilliert als Schlangenfrau und Handstandakrobatin. Musikalisch begleitet wird die Darbietung von einem weltbekannten Filmsoundtrack. Ja, diese Fünfergruppe ‒ bestehend aus der geschmeidigen Tatjana im knallroten Trikot und ihren als Strafgefangene gekleideten Begleitern ‒ , ist ein eingespieltes Team. Jede Drehung und Schraube, jeder Griff, Salto und Handstand sitzen und alle Übungen sehen gleichzeitig kraftvoll, elegant und äußerst ästhetisch aus.

Wow: In jeder echten Haftanstalt wäre keine noch so hohe Gefängnismauer ein Hindernis für die Luftakrobatin Julia Galenchyk. Von ihrem eisernen Knastbett aus seilt sich die quirlige Ukrainerin elegant und graziös mit einem netzartigen Seil hoch unter die Zirkuskuppel und bietet sowohl einen attraktiven Anblick, als auch eine atemberaubende, temperamentvolle Show.

Ganz anders kommt da Hubertus Wawra in seiner Rolle als punkig-prolliger Berufspyromane daher. Als »Master of Hellfire« spuckt der gefährlich sächselnde Komiker auch hinter Gittern verbal Feuer und niemand ist vor seinen witzigen Pöbeleien sicher. Als waschechter Thüringer, der vor der Wende geboren wurde, kann er dem Publikum ein Lied davon singen, wie es ist, quasi »in Gefangenschaft geboren« worden zu sein. Dazu spielt er Gitarre bis die Jacke brennt ‒ und das Arbeitsgerät für die nächste Nummer aufgebaut ist: Eine überdimensionale, sogenannte »russische« Überschlagschaukel. Noch einmal führen die Mannen aus dem Horbacz-Team nicht nur vor, was echte Profis unter professionellem Bodenturnen verstehen, sondern auch, wie man mit Kraft und Schwung von der Schaukel aus in der Luft mehrfache Saltos, Schrauben und Pirouetten springen kann. Sicher aufgefangen wird der jeweils abgesprungene Artist von seinen Kollegen in einem riesigen schwarzen Fangnetz.

Nein, da ist er schon wieder ‒ unser dynamischer Proll-Clown. Wie immer erfrischend liebenswert-bösartig schafft er es auf entwaffnend sympathische Art, eine mutige blonde Zuschauerin aus der 9. Reihe als Assistentin für seine nächste Nummer zu gewinnen. Weiß die junge Dame auf was sie sich da einlässt, fragt man sich, als er ihr eine große Zielscheibe in die Hand drückt und dann mit einem monströsen Flammenwerfer anrückt? Aber funktioniert das Monsterteil auch? Zur Demonstration schickt der »Master of Hellfire« vorsichtshalber mal kurz eine riesige Stichflamme an die Zirkusdecke. Jetzt wird’s heiß und gefährlich. Einige Zuschauer möchten noch mehr Feuer sehen! Gibt’s denn sowas? Denn was er vorhat ist klar. Aber wird der freche Kerl es tatsächlich wagen, die junge Dame ‒ trotz Ankündigung eines Gutscheins für einen Frisör ihrer Wahl ‒ durch das Loch in der Zielscheibe anzufackeln? Puh! Da hat das Publikum direkt noch mal Glück gehabt, dass er nicht ALLE wegen Sensationslust und Anstiftung zu einer Straftat drankriegt … . Insofern haben sich die jetzt folgende 15-Minutenpause wirklich alle redlich verdient.

Danach geht’s volle Power weiter: Die Häftlinge dürfen sich mal wieder im Gefängnishof unter Aufsicht austoben. Zur Musik der Flic Flac-Liveband und der beschwörenden Stimme von Caro Kunde überschlagen sich die Akrobaten im wahrsten Sinne des Wortes. Und die Expendables stellen noch einmal unter Beweis, wie man durch hartes Training und absolute Körperbeherrschung sozusagen Hand in Hand schwierigste turnerische Glanzleistungen scheinbar mühelos vollbringen kann: Akrobatische Performance auf höchstem Niveau – präzise und voll im Einklang mit dem Song »Spüre mich, halte mich… «.

Jetzt ist Laura Miller dran. Die junge Dame brilliert sowohl als hoch in der Luft an einem Reifen turnender Schmetterling, genauso wie als bezaubernde Meerjungfrau. Es ist atemberaubend anzusehen, wie sie sich in den in der Manege aufgebauten Pool stürzt, um sich nach einem überschäumenden Bad im gläsernen Wasserbecken Sekunden später wieder tropfensprühend unter die Zirkuskuppel ziehen zu lassen und dort grazile Kunststücke an und in ihrem Reifen vorführt. Zum Höhepunkt ihrer Action-Show springt sie in das brennende Bassin.

»Year, Year, Year«. Noch einmal ist Bombenstimmung mit Anti-Anti-Terror-Rapper Hubertus Wawra angesagt. Zur Stärkung gönnt sich der kleine Feuerteufel vorher rasch noch einen Schluck aus seiner Pulle Ajax-Badreiniger mit Extra-Kalklöser, bevor er mit seinen abgefackelten Dynamitstangen loslegt und rappt was das Zeug hält.

Auch unser inhaftierter Freund aus Schottland ‒ neuerdings im grauen Gefangenendress ‒ möchte sich noch einmal wie angekündigt als Magier versuchen. Ob er die Nummer schon mal gemacht hat? Er scheint sich da selbst nicht ganz sicher zu sein. Zumindest aber hat er einen Zauberkasten mit einem Leitfaden für Anfänger mitgebracht. Urkomisch (mit)anzusehen und (mit)anzuhören, was er damit so anstellt. Sogar Entspannung à la Waldorfschule und »das Wunder von Duisburg« hat er im Repertoire ….. Puh, jetzt wird es selbst der Band zu bunt: »Mach ’nen Abgang« singt ihn Caro aus der Manege.

Wow! Als echtes Zirkuskind hat Nicolai Kuntz hat nicht nur die Trapezschaukel voll im Griff, sondern auch Diabolos. Einfach Klasse, wie er ‒ immer Tempo, Tempo ‒ erst einen und dann zwei weitere große Doppelkegel schwungvoll und rasant hoch unter das Zirkusdach schnellen lässt.

Pole Danc vom Feinsten bietet dann Larissa Kastein, die ältere Schwester von Tatjana. Elegant und sexy anzusehen in einem schwarzen Bikini tanzt sie ‒ graziös und dynamisch zugleich ‒ mit Schwung und Elan an der chinesischen Stange.

Jetzt aber wird es ‒ bevor der unterhaltsame und lustige Abend endgültig zu Ende geht ‒ noch einmal richtig spannend. Der absolute Show-Höhepunkt der »Höchststrafe« naht und alle Aufmerksamkeit gehört nun den tollkühnen wilden Kerlen in Lederkluft auf ihren heißen Öfen. Unter großem Vorschuss-Applaus wird die Attraktion des Flic Flac-Zirkus – der »Globe of Speed«, in dem sich bereits 3 Fahrer auf ihren Motorrädern befinden, in die Arena gezogen. Brrrrr….. brrrr ….. brrrr ….. und schon geht’s ab und in atemberaubendem Tempo kreuz und quer durch die große Stahlkugel. Wow, klappt prima. Die Jungs um José Antonio Pinillo haben alles super und sicher im Griff. Und als Caro singt »Das wollt Ihr sehn« geht’s in die nächste Runde. Ja, das wollen wir sehen! Das Wachpersonal öffnet die Pforte und nacheinander fahren unter tosendem Beifall erst zwei weitere Helldriver ‒ und dann noch einmal fünf weitere ‒ in die Kugel ein. Wow! Wow! Wow! Jetzt jagen 10 wilde Kerle durcheinander und in höllischem Tempo rund durch den »Globe of Speed«. Das ist der komplette Wahhhhnsinn!!!. Mann, ist das aufregend.

Aber als wenn diese Sensation nicht noch zu toppen wäre, macht sich schon die nächste todesmutige Truppe warm: Die Mad Flying Bikes. Mit lautem Getöse und höllischem Tempo kommt der erste Motocross-Freestyle-Jumper über die gegenüber dem Zellentrakt gelegene Bühnenrampe angebraust und fliegt auf seiner Maschine in hohem Bogen quer über Publikum und Stahlkugel. Einfach nur Spitze, diese exklusiv im Flic Flac-Zirkuszelt dargebotene sensationelle und spektakuläre Show der besondere Art des Motor-Crossing-Sports. Blitzschnell hintereinander, quasi wie   Kugeln aus einem Gewehrlauf, schießen die Fahrer des internationalen Profi-Biker-Teams um Martin Koren mit ihren FMX-Cruisern insgesamt elfmal (wenn wir richtig mitgezählt haben) über den »Globe of Speed« und landen nach ihrem Sprung auf einer Rampe hinter der Kugel. Nach diesen letzten Minuten hält es keinen Zuschauer mehr auf dem Stuhl und unter tosendem Beifall lassen sich alle Motorbike-Gladiatoren lautstark für ihre Spitzenleistung feiern.

Auch wir gratulieren dem kompletten Flic Flac-Team und allen Gast-Künstlern zu dieser perfekt gelungenen Jubiläums-Show der Superlative und danken für den amüsanten und spannenden Abend.

»Höchststrafe« gastiert noch bis zum 19. April 2015 in Duisburg und wurde sowohl in der WAZ, als auch in der Rheinischen Post erwähnt. Weitere zeitnah in NRW stattfindende Vorstellungen ‒ z. B. in Wuppertal und Köln ‒ können hier direkt der Flic FlacHomepage entnommen werden.

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