ZIRKUS DES HORRORS: „Inquisition“ in Duisburg und Essen − Herbst 2015

Duisburg 10. (Sch)O(c)KTOBER, 19 Uhr, auf dem Gelände am Hauptbahnhof. Schon draußen hört man den dumpfen, im Inneren der ›World of Darkness‹ pulsierenden Horror-Sound. Wir reihen uns die lange Warteschlange vor dem rot-gelb-gestreiften Zelt des

Zirkus des Horrors

ein. Schneller als gedacht reißt uns ein bleiches weibliches Gotic-Grusel-Geschöpf mit durchbohrendem Blick die Eintrittskarte mit der aufgedruckten Warnung

”Nervenkitzel mit Gänsehautgarantie“

aus der Hand und zerrt uns durch den Eingang zur Folterkammer in der Unterwelt.

Brrr, ist das schaurig dunkel hier. Ein Abend im Zirkus des Horrors ist wahrlich nichts für kleine Kinder und zart besaitete Gemüter. Im Laufmarsch geht’s durch ein mit Spinnweben behangenes Labyrinth und durch ein Spalier mit lebenden Monstern zum dämmrigen Vorhof der Manege des Grauens. Blutrünstige, gespenstische Gestalten verkaufen hier Getränke und blutiges Poppkorn, bis der Gong zum Eintritt in die Folterkammer aufruft. Während sich das Zelt mit immer mehr Gästen füllt, die der un(heiligen) »Inquistion« beiwohnen wollen, schwirren aus dem Gruselkabinett entsprungene Kreaturen durch die Stuhlreihen und geben einen kleinen erschreckenden Vorgeschmack auf die nächsten Stunden. Uns begruselt Nightmare-Startist Freddy Krueger persönlich und reicht uns seine Klingenhand.

Pünktlich zum Glockenschlag wird es dunkel − aus dem Reich der Schatten ertönt eine Geisterstimme − und wünscht dem Publikum einen ”Unangenehmen Abend im Zirkus des Horrors voller Schmerz und Pein”. Als das Licht zurückkehrt, hat sich die Manege tatsächlich in eine mittelalterliche Folterkammer − bevölkert mit höllischen Gestalten à la Hieronymus Bosch − verwandelt und Vampir Nosferatu (alias Giovanni Biasini), der das dämonische Programm zelebriert, entsteigt der Unterwelt.

Der  Exorzist lässt grüßen, als tief verhüllte Mönche eine sich vor Qualen windende, vom Teufel Bessene auf einem eisernen Bettgestell hereintragen und am Seil hinauf zur Zirkuskuppel ziehen: Artistin Emily, die jetzt den erwartungsvollen Zuschauern eine schwung- und kraftvolle Show am Vertikalseil vorführt. Wie ein schwarzer Schmetterling der Nacht schaukelt sie kopfüber in luftiger Höhe und lässt sich dann zum Schrecken der Zuschauer urplötzlich fallen. Kaum dass sie den Sturz in die Tiefe überlebt hat, verdreht sie einem Mönch im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf.

Geschwindigkeit ist keine Hexerei: Bühne frei für einen diabolisch flinken Schotten, der sich kokett seines lästigen Rocks entledigt und dann auf Teufel komm raus seine feurigen Diabolos hoch an die Zirkusdecke schnellen lässt. Booh, der junge Tscheche Giorgio (Georgo Hromádko) hat‘ drauf und treibt sein flottes Spiel mit immer mehr Kegeln. Nur ab Diabolo Nummer 4 wollen die Dinger nicht so recht in der Luft bleiben. Bussi drauf! Und siehe da ‒ jetzt wuppt es. Alle guten Dinge sind drei!

”Alfons, bring mir einen Clown!”, ordnet Meister Nosferatu an. Und prompt karrt der vermummte Bucklige eine Kreatur herein, die nach ihrer frankensteinschen Erweckung zum bösen Clown Maleficus mutiert und sofort alle Aufmerksamkeit an sich reißt. Ein junger Zuschauer in einem T-Shirt mit der Aufschrift »SEX, FUCK & ROCK N‘ ROLL« hat es ihm angetan, bekommt ein Halsband um und darf sich als Statist für eine Hundedressurnummer von ihm quälen lassen. Gefährlich für den bedauernswerten armen Mann wird es, als zwei Kuttenträger ein mannshohes Brett zum Messerwerfen hereinbringen. Angefeuert vom blutrünstigen Publikum schreitet der bösartige Spaßvogel zur Tat und droht sein Opfer zu entmannen. Nur gut, dass er zu doof zum Treffen ist.

Mit  und höllisch scharfen Klingen geht es weiter: Eine nicht minder scharfe Gotic-Lady mit fünf Macheten demonstriert die Schärfe ihrer Messer beim Gurkenschneiden. Ihr Sklave, ein haariger Troll, darf die Gurkenstücke einsammeln und ihr bei der Darbietung zur Hand gehen: Die hartgesottene Skandinavierin von PAIN SOLUTION scheint keine Schmerzen zu kennen und legt sich wie ein Fakir mit dem Rücken auf die Messerklingen. Noch skurriler wird es, als der Gnom ihr die Schuhe auszieht, damit sie sich mit nackten Füßen auf die hauchdünnen Schneiden stellen kann. Wow!

Dann heißt es Bühne frei für Camilla (Monika Sperlich) und ihre feurig-spritzige Show mit brennenden Hula Hoop-Reifen. Eine rundum gelungene Nummer, zu deren Abschluss die im weißen Büßerhemd gekleidete Künstlerin mit drei in Flammen stehenden Ringen um die Hüften hoch unter das Zeltdach gezogen wird.

Nanu, was kommt denn jetzt? Eine riesige Stahlkonstruktion wird in die Horrormanege gebracht: Das Rad des Todes − Das Arbeitsutensil für die wagemutigen Artisten Kiminus & Belenus (Maik und Siegfried Sperlich), die (auf blutig-düstere Monster getrimmt) in die Räder steigen und durch Laufen und mit gefährlichen Sprüngen das Monster-Schwungrad in Fahrt bringen. Einfach atemberaubend anzusehen, wie das Teufelsrad passend zum einpeitschenden Sound immer schnell und schneller wird, sich einer der Artisten die Augen verbindet, blind außen auf seinem Rad herumläuft und − am Höhepunkt der Show − bei voller Fahrt abspringt. Applaus, Applaus!

In Anschluss an diesen höllisch guten Auftritt kündigt unser boshafter Clown Maleficus mit einer provozierenden Sitzung auf seinem fahrenden Klosett demonstrativ an: 20 Minuten Pinkelpause! Wer es vorzieht, auf seinem Platz sitzen zu bleiben, darf sich gern von seinen ebenso grauenhaften, wie fleißigen Gehilfen bespuken lassen.

Nach der kurzweiligen Pause und dem letzten schroffen Aufruf an Nachzügler ”Bewegt euren Arsch gefälligst ins Zelt”, geht es mit einer runden Rhönrad-Nummer weiter: Ein junges Gotic-Paar − stilecht im schwarzen Lederdress − präsentiert artistisch perfekte Partnerakrobatik.

Huh, jetzt wird es extrem schaurig: Wie im okkultigen Film »Illuminati« übernehmen finstere Mönche mit brennenden Fackeln die Bühne im Zirkus des Horrors und ziehen einen Karren, auf dem ein Delinquent im Büßerhemd kauert, in die Manege. Hier wartet bereits ein Scheiterhaufen auf den armen Sünder. Potzblitz und Donnerschlag: Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich die Hinrichtungsstätte in ein Requisit für eine fantastische Handstandakrobatik-Vorstellung für Sperlich-Sohn René. Was der durchtrainierte junge Mann da auf einer Hand vorführt, ist kaum zu überbieten. Einfach nur ganz große Klasse die Nummern mit den losen Mauersteinen und den zusätzlichen, mindestens 2 Meter langen Verlängerungshandstützen! Eine Spitzenleistung in puncto Kraft und Körperbeherrschung, die vom Publikum mit begeistertem Klatschen honoriert wird.

Wer hätte schwarze, sexy Netzstrümpfe unter einer schlichten Kutte vermutet? Die Damen vom Show-Ballett verstehen es, ihre Beine gekonnt in Szene zu setzen, bevor der unverschämte Maleficus ‒ dieses Mal als Richter der »Heiligen Inquisition« ‒ wieder die Regie übernimmt. “Alfons, hol die Guillotine”, herrscht er das bucklige Faktotum an und lässt sein Opfer aus dem Publikum wegen Befehlsverweigerung und Schändung einer Jungfrau abführen. ”Den werden wir jetzt foltern bis er tot ist!” Kein Einspruch vom Publikum. Wer keinen Kopf rollen sehen will und kein Blut sehen kann, hat noch kurz Gelegenheit das Schafott zu verlassen. Dann geht’s endlich los: Erleben Sie den Clown als Henker!

Qualvoll geht es im Zirkus des Horrors mit der nächsten Show weiter. Herein kommen eine Gotic-Braut mit einer blutigen Kiste und ein Zombie im langen pechschwarzen Lederrock, der demonstrativ einen chromblitzenden Fleischerhaken herumzeigt. Was in Dreiteufelsnamen hat der Irre damit vor? Nein, nicht doch. Igitt …., der Typ sticht diesen krummen Haken und dann noch einen weiteren − sichtbar für alle Zuschauer − tatsächlich durch die Haut in den Rücken seiner Partnerin. Hilfe! Das können nur die schmerzgeilen norwegischen Freaks von PAIN SOLUTION sein.

Als beide Haken fest drin sind, werden kräftige Riemen und ein Seil daran befestigt und die Lady kurzer Hand an dieser Art Kleiderbügel via Flaschenzug in Richtung Zirkuskuppel hochgezogen. An ihrer eigenen Haut aufgehängt präsentiert sie in der Luft einen Hexenflug. Beim Wiederherunterlassen hängt sich der Headmaster sogar noch mit seinem ganzen Gewicht an sie, bevor sie die Riemen mit einem Messer kappt. Erstaunlich, welche Belastungen die menschliche Haut aushält und wie hoch bei manchen Menschen die Schmerzgrenze liegt, während sich bei anderen schon allein beim Zusehen die Nackenhaare sträuben. Wow! Solche Meister des Schmerzes hätten seinerzeit jeden gestandenen Folterknecht zur Verzweiflung gebracht.

Nosferatus dämonisches Ballett bildet die Vorhut für das letzte Highlight des Abends im Zirkus des Horrors. Mit lautem Röhren donnern − als Auftakt einer teuflisch guten Stunt-Show − Maik & Siegfried Sperlich auf ihren schweren Maschinen und Milano Kaiser auf einem Quad in die Arena. Milano Kaiser kann nicht nur »böser Clown«, sondern auch »Feuerspucker«. Und noch während er dem Publikum seine eindrucksvolle Feuershow präsentiert und meterhohe Flammensäulen unter die Zirkuskuppel spuckt, fliegt plötzlich mit lautem Getöse Free Fighter Freddy Peters mit seinem Motocross-Feuerstuhl zur Begeisterung der Zuschauer im hohen Bogen quer durch das Zirkuszelt. Jeder Höllenritt wird vom Publikum mit lautem Beifall honoriert.

Zum großen »Inquisitions«-Finale geht der Vorhang noch einmal auf und alle Untoten versammeln sich in der Arena des Schreckens, um noch einmal ihrem aus der Hölle aufsteigenden Herrn Nosferatu zu huldigen.

Vielen Dank an die Familie Sperlich & Romanza Circusproduction und alle anderen Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen für dieses rundum gelungene kurzweilige Gruselvergnügen mit Gänsehauteffekt.

Der

Zirkus des Horrors

gastiert noch bis zum 18.10.2015 in Duisburg und kann vom 29.10. bis zum 15.11.2015 in Essen besucht werden. Als Einstimmung auf Helloween findet die Show »Inquisition« am 31.10.2015 in Essen um 23 Uhr eine Sondervorstellung statt.

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